Experimentauswahl
Auswahl der technisch-wissenschaftlichen Ausrüstung
Die sowjetischen Partner hatten den Österreichern eine ganze Reihe
von technischen Anforderungen vertraglich auferlegt. Diese allgemeinen
Spezifikationen, in Pflichtenheften festgehalten, betrafen die
Konstruktion der Geräte und ihre Verpackung, die elektrische und
elektromagnetische Kompatibilität, die Spannungsversorgung, die
Wiederstandsfähigkeit gegen mechanische Transportbelastung, klimatische
Faktoren (Ausgasen) und ionisierende Strahlung, die Betriebssicherheit
und die Zuverlässigkeit der Apparaturen. Dementsprechend umfangreich
waren die geforderten Testprozeduren.
Jeweils fünf Einheiten mußten den vorgeschriebenen Tests unterzogen
werden. Die dokumentierenden Protokolle wurden ins Russische übersetzt
und an alle in den Projekten einbezogenen Parteien verteilt. Für jedes
Gerät war einen Gerätepaß anzulegen.
Um der Mission einen möglichst weiten Rahmen zu geben, bzw. allen
interessierten Forschern an Universitäten, Forschungsinstitutionen oder
Firmen gleiche Chancen zur Teilnahme einzuräumen, wurde eine
öffentliche Ausschreibung durchgeführt.
Aus 34 eingereichten Vorschlägen wurden in mehreren Stufen durch eine
österreichisch-sowjetische Expertenkommission unter Einschaltung
unabhängiger in- und ausländischer Gutachter schließlich
15 Experimente ausgewählt.
Kriterien für die Auswahl waren Originalität (d. h. keine wie immer
geartete Wiederholung wurde zugelassen), Masse (150 kg war die
erste Vorgabe) und Leistungsbedarf sowie nicht zuletzt die
veranschlagten Kosten.
Ein großes Handikap war von Anfang an die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit, ein Problem, das durch die später stattgefundene Vorverschiebung des Fluges gegenüber dem ursprünglichen Plan um 3 Monate noch verschärft wurde. Dies führte dazu, daß zwei Projekte nicht realisiert werden konnten.
Im Rahmen der AUSTROMIR-Mission standen auch einige bereits als
Standardausrüstung auf der Raumstation befindliche medizinische und
fernerkundliche Geräte für österreichische Experimente zur
Verfügung.
Im Verlauf der Vorbereitungen stellte es sich heraus, daß für die
Steuerung und die Datenspeicherung an Bord der Raumstation ein eigener
Zentralrechner
entwickelt werden mußte.
In der Folge kamen noch weitere Projekte hinzu, für die teilweise keine
eigenen Geräte in der Raumstation notwendig waren: ein Kunstprojekt, was für die
Weltraumfahrt erstmalig war, ein nachrichtentechnisches Experiment, an dem
sich Schulen in Österreich und in der Sowjetunion beteiligen konnten
und ein für AUSTROMIR adaptiertes Videokonferenzsystem, welches sich in
der Vorbereitungsphase und während der AUSTROMIR-Mission hervorragend
bewährt hat.
Wie bei den vorhergehenden Flügen von Gastkosmonauten üblich, wurde auch von österreichischer Seite ein Gastmahl vorgesehen und für Repräsentationszwecke wurden symbolische Gegenstände vorbereitet, die in der Raumstation "im Weltraum gewesen" als Souvenier mit einer Plombe gekennzeichnet, oder mit denen symbolische Tätigkeiten durchgeführt werden sollten.
Das Frachtraumschiff PROGRESS M-9 startete am 21. August 1991 mit der Ausrüstung der österreichischen Nutzlast gemeinsam mit dem Versorgungsmaterial für die Besatzung der Raumstation und dockte am 23. August an die MIR an.
Zusammenfassend kann die Mission AUSTROMIR 91 in bezug auf seine Vorbereitung und Durchführung als äußerst erfolgreich bezeichnet werden. Alle österreichischen Geräte erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen. Für dieses Ergebnis, das in der bemannten Weltraumforschung bis zu diesem Zeitpunkt kaum erreicht wurde, wurde und wird von den sowjetischen Partner den österreichischen Technikern und Wissenschaftlern Lob und Anerkennung entgegengebracht und es bildete eine optimale Ausgangsposition für weitere wissenschaftliche Zusammenarbeiten.