Artsat
AUSTROMIR Projekt ARTSAT
Künstlerische Idee:
artsat versteht sich in seiner letzten konsequenz als ein
gesamtkunstwerk neuen stils, in der definition des weltraums als
kulturraum. stellvertretend für die bürger dieser welt reicht ein
künstler dem kosmonauten via elektronik die hand in den weltraum. der
kosmonaut seinerseits sendet nach einer vollen erdumkreisung eine
botschaft zur erde. ein klavier und ein roboter werden von dieser
botschaft dirigiert werden.
unter diesem gesamtkunstwerklichen aspekt nimmt artsat die
künstlerische tradition erneut auf, wissenschaft, technik, technologie
und kultur einander wieder näher zu bringen, mit dem ziel, die kunst
zum maßstab des alltags zu erheben.
wenn nach 30 jahren sowjetischer weltraumfahrt mit artsat erstmals ein
kunstprojekt in das weltraumprogramm aufgenommen wurde, soll damit auch
die besondere rolle österreichs im dialog mit den nationen dieser erde
herausgestellt werden. artsat hat damit auch eine symbolische funktion
übernommen: das unausweichliche näherrücken der nationen auf einem
gemeinsamen kulturellen fundament.
| RICHARD KRIESCHE |
Realisierung:
6. Oktober 1991 11 Uhr MEZ: Mit der Raumstation MIR, die sich zu
diesem Zeitpunkt gerade über der sowjetischen Hauptstadt befand, wurde
vom Flugleitzentrum der Funkkontakt bis in das Publikumsstudio in Graz
hergestellt. Nach einer kurzen Einführung "reichte" der Künstler
Richard Kriesche dem österreichischen Kosmonauten symbolisch die Hand.
Das Ereignis des "Handreichens" konnte mit Hilfe des des Experiments
VIDEOMIR realisiert werde. Das Videobild der Hand des Künstlers in Graz
wurde vom Publikumsstudio des Österreichischen Rundfunks zum
AUSTROMIR-Informationszentrum an der Technischen Universität Graz, von
dort über einen Nachrichtensatelliten in das Flugleitzentrum in
Kaliningrad in der Nähe von Moskau und von dort weiter zur Raumstation
MIR übertragen, wo auf einem Videomonitor die Hand erschien.
Ab diesem Zeitpunkt benötigte die Raumstation ca. 60 Minuten bis sie in
den Funkempfangsbereicht von Graz erreichte. Während dieser Zeit fand
eine Multimedia-Meditation mit Liveauftritten zum Thema Kunst -
Kulturraum - Weltraum statt, während als Nonstop-Hintergrundmusik
der Donauwalzer erklang. Die Zeit einer Erdumkreisung wurde mit dem
Graben eines Erdlochs als gleichsam imaginäre Zeitskulptur sichtbar
mitvollzogen.
Sobald Graz in den Empfangsbereich der Raumstation gelangte, nahm der
österreichische Kosmonaut über die Amateurfunkeinrichtung AREMIR
Kontakt mit dem Publikum auf. Die Botschaft des Kosmonauten modulierte
und verfremdete den Donauwalzer wie eine imaginäre Dirigentenhand.
Gleichzeitig wurden aus dem verfremdeten Donauwalzer akustische
Parameter durch Spektralanalyse gewonnen und auf einem PC
aufgezeichnet. Auf einem speziell präparierten stummen Klavier wurde
die verschlüsselte akustische Botschaft visualisiert, so als ob die
imaginäre Hand des Kosmonauten darauf spielte.
Nachdem die Raumstation den Empfangsbereich Graz nach einigen Minuten
wieder verlassen hatte, wurden die auf PC aufgezeichneten Daten von
einem Roboter verarbeitet, der vor dem Publikumsstudio aufgebaut war.
Dieser schweißte die verschlüsselte Botschaft auf eine Edelstahlplatte
mit ca. 3,5 m Durchmesser.
Das Amateurfunkgerät AREMIR aus der österreichischen Nutzlast ermöglichte die Durchführung dieses Kunstprojekts.
Ergebnis:
Am 3. April 1992 versammelte sich eine illustre Runde auf dem Grazer
Schloßberg um ein Kunstwerk: Neben dem Wissenschaftsminister, dem
steirischen Landeshauptmann und dem Grazer Bürgermeister waren
zahlreiche andere Politiker, Vertreter der AUSTROMIR-Projektleitung und
viele Schaulustige erschienen, um der Enthüllung jener Stahlplatte, in
die ein Schweißroboter die verschlüsselte Grußbotschaft des ersten
österreichischen Wissenschaftskosmonauten eingeschweißt hatte,
beizuwohnen.
Das schimmernde Stahlrondeau auf dem Schloßberg, das für die
"Weltraumstadt Graz" besonderen Symbolwert besitzt, ist nicht die
einzige bleibende Erinnerung an das Projekt ARTSAT: Dieselben Daten,
die dem Schweißroboter zugeführt wurden, wurden auch neun
österreichischen Computermusikern zur Verfügung gestellt. Die
Kompositionen, die sie daraus schufen, sind auf CD gespeichert. Diese
CD ist Teil eines "ARTSAT- Package", in dem alle zum Projekt gehörenden
künstlerischen Aktivitäten dokumentiert sind.
Projektverantwortlicher (I) und Hersteller (H):
- Prof. Richard Kriesche, Graz (I)
- Institut für Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung der Technischen Hochschule Graz (H)